„Closing Germany’s Innovation Gap: The Case for Flexicurity”
Das dritte LEF LAB des Ludwig-Erhard-Forums brachte am 27. April 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Verbänden und Think Tanks zusammen, um mit dem Ökonomen Yann Coatanlem über Deutschlands Innovationsfähigkeit und die Bedeutung arbeitsrechtlicher Rahmenbedingungen zu diskutieren. Coatanlem, Präsident des Think Tanks Club Praxis und ehemaliger Managing Director bei Citigroup, prägte gemeinsam mit Oliver Coste das Konzept der „Kosten des Scheiterns“, das inzwischen auch Eingang in europäische Wettbewerbsdebatten gefunden hat.
Im Mittelpunkt stand eine eigens für Deutschland erstellte Analyse von rund 150.000 Kündigungsfällen aus über 50 Sozialplänen großer Unternehmen. Demnach belaufen sich die durchschnittlichen Trennungskosten für Arbeitgeber auf etwa 2,5 Bruttojahresgehälter und liegen damit deutlich über den Werten in den USA oder Dänemark. Entscheidend seien dabei weniger gesetzliche Mindestabfindungen als vielmehr Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit. Die Untersuchung zeigt zudem, dass nicht die Branche, sondern der jeweilige Instrumentenmix die Höhe der Kosten bestimmt.
Aus den Ergebnissen leitete Coatanlem Reformbedarf ab. Nicht die Abschaffung des Kündigungsschutzgesetzes sei erforderlich, sondern ein Flexicurity-Modell nach dänischem Vorbild, das flexiblere Personalanpassungen mit Weiterbildung, Umschulung, steuerlichen Anreizen für lebenslanges Lernen und einer Reform des Rentensystems verbindet. Angesichts der geopolitischen Entwicklungen sei technologische Souveränität zudem zu einer Frage nationaler Sicherheit geworden.
In der Diskussion wurden konkrete Reformoptionen, darunter differenzierte Kündigungsschutzregelungen, Anreizwirkungen und die Situation älterer Beschäftigter, vertieft. Ein zentraler Konsens lautete, den Kündigungsschutz künftig stärker auf die Absicherung von Jobwechseln als auf den Erhalt einzelner Arbeitsplätze auszurichten. Nur so könne Deutschland den Strukturwandel erfolgreich bewältigen und seine Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.
Vor dem Hintergrund von demografischem Wandel, technologischer Transformation und geopolitischen Herausforderungen wurde deutlich, dass Reformen an mehreren Stellschrauben zugleich ansetzen müssen – ein Thema, das das Ludwig-Erhard-Forum in seiner weiteren Arbeit vertiefen wird.
Das LEF LAB ist das Werkstattformat des Ludwig-Erhard-Forums. Nach den ersten beiden Ausgaben mit Prof. Dr. Justus Haucap und Oliver Coste markiert die dritte Ausgabe einen weiteren Meilenstein im Schwerpunktthema Innovation.